Bildquelle: Infraserv GmbH & Co. Höchst KG / infraserv.com

Der Industriestandort Deutschland befindet sich in einem Umbruch. Wie reagiert Infraserv Höchst auf neue Erwartungen und Ansprüche seiner Kunden und Partner? Ein Interview mit Jürgen Vormann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Infraserv Höchst.

14.11.2017, Interview mit Jürgen Vormann / Infraserv Höchst, geführt von Christiane Zimmer / Fazit Communication

Herr Vormann, der Industriestandort Deutschland und speziell die Chemie- und Pharmaindustrie befinden sich wieder einmal in einem Umbruch. Zum einen wirtschaftlich durch zahlreiche Fusionen, zum anderen durch die Digitalisierung. Inwiefern hat der Wandel die Erwartungen Ihrer Kunden und Partner im Industriepark Höchst und auch außerhalb an Ihr Dienstleistungsportfolio verändert?

Jürgen Vormann

ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Infraserv Höchst.

Wir sehen uns als Standortbetreiber und Dienstleistungsunternehmen für die chemisch-pharmazeutische Industrie in der Rolle eines Partners, der Veränderungen aktiv gestaltet und Kunden dabei unterstützt, die mit technologischen Entwicklungen und neuen Rahmenbedingungen verbundenen Chancen optimal zu nutzen. Das gilt auch und gerade für das Thema Digitalisierung, das Geschäftsmodelle zum Teil grundlegend verändert und gerade für zukunftsorientierte Branchen enorme Potenziale bietet. Mit vielen unserer Kunden innerhalb und außerhalb des Industrieparks Höchst kooperieren wir sehr eng, so dass wir mit unseren Services fester Bestandteil der jeweiligen Wertschöpfungsketten sind. Die intensive Vernetzung, der Austausch von Daten und Informationen, bietet da schon heute viele Möglichkeiten, in der Logistik und der Versorgung, aber auch bei vielen Leistungen rund um Gebäude und Produktionsanlagen. Darüber hinaus prüfen wir aber auch derzeit eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die sich weitab unserer gegenwärtigen Prozesse aus der Digitalisierung heraus für die Weiterentwicklung unserer Aktivitäten ergeben könnten – ganz prominent möchte ich hier die vor uns liegenden tiefgreifenden Veränderungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern in unserer wissensintensiven Industrie nennen. Herausforderungen, mit denen sich unsere Tochtergesellschaft Provadis gerade sehr intensiv beschäftigt. Was Fusionen angeht: Gerade im Chemie und Pharmabereich ist es auch in der Vergangenheit immer wieder zu Veränderungen bei Unternehmen aus unserem Kundenumfeld gekommen, das ist für uns keine neue Situation. Wir sind auch bei derartigen Prozessen ein Partner für die Kunden und können dabei unterstützen, flexibel und schnell die Möglichkeiten, die sich in Bezug auf Standortbetrieb und Infrastrukturleistungen bieten, möglichst optimal zu nutzen.

„Mit vielen unserer Kunden innerhalb und außerhalb des Industrieparks Höchst kooperieren wir sehr eng, so dass wir mit unseren Services fester Bestandteil der jeweiligen Wertschöpfungsketten sind.“

Wie flexibel muss ein Standortbetreiber aufgestellt sein, um den Anforderungen der Kunden gerecht zu werden? Wo liegen die Herausforderungen und wo gibt es neue Chancen?

Natürlich hat jeder Kunde spezielle Anforderungen an einen Infrastruktur-Dienstleister wie die Infraserv Höchst-Gruppe. Auf diese Kundenwünsche müssen wir uns jeden Tag aufs Neue einstellen, das ist ein wichtiger Faktor. Gleichzeitig müssen wir bei unseren Leistungen unter anderem auch durch Standardisierungen für ein hohes Maß an Effizienz sorgen, denn nur so können wir wettbewerbsfähige Kostenstrukturen auf Dauer sicherstellen. Der Spagat besteht also gewissermaßen darin, individuelle Kundenwünsche mit standardisierten Leistungen zu erfüllen. Je besser uns das gelingt, umso erfolgreicher sind wir.

„Der Spagat besteht also gewissermaßen darin, individuelle Kundenwünsche mit standardisierten Leistungen zu erfüllen.“

Früher war das Ziel der Dienstleistungsunternehmen ein zufriedener Kunde. Heute gilt es, aus zufriedenen Kunden, loyale Kunden zu machen und aus loyalen Kunden, Botschafter der eigenen Dienstleistungen. Das Schlagwort heißt Kundenerlebnismanagement. Wie macht Infraserv aus zufriedenen Kunden Botschafter des Standorts und der Marke Infraserv?

Das Gesamtpaket muss stimmen. Bei Einzelleistungen sind Zuverlässigkeit, hohe Qualität und Kosteneffizienz natürlich Grundvoraussetzung. Die Kombination macht einen zufriedenen Kunden aus. Aber erst durch das ganzheitliche Zusammenspiel verschiedener Leistungen und die optimale Unterstützung der Kunden in allen Bereichen des nachgefragten Leistungsspektrums entsteht ein partnerschaftliches Verhältnis, das über die reine Kunden-Lieferanten-Beziehung hinausgeht und im Falle des Industrieparks Höchst auch eine enge Bindung an den Standort entstehen lässt. Da kommt es auch auf Details an. Als Standortbetreiber betrachten wir nicht ausschließlich die Unternehmen als Kunden, sondern auch deren Mitarbeiter. Wir können durch verschiedene Angebote rund um den Arbeitsplatz dazu beitragen, dass sich die Beschäftigten der Standortortgesellschaften auch wohl fühlen und eine intensivere Bindung entsteht. Ein gutes Beispiel sind da unsere Gesundheitsleistungen: Neben der klassischen akutmedizinischen Versorgungen halten wir eine Vielzahl an Angeboten in den Bereichen Prävention und Gesundheitsberatung vor. Diese werden von den Mitarbeitern sehr gut angenommen. Das sorgt bei der Belegschaft unserer Standortgesellschaften für ein höheres Maß an Mitarbeiterzufriedenheit, und nicht zuletzt leisten wir im Interesse unserer Kunden einen Beitrag zur Gesunderhaltung der Mitarbeiter, was aufgrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels auch immer wichtiger wird.

„Das Gesamtpaket muss stimmen. Bei Einzelleistungen sind Zuverlässigkeit, hohe Qualität und Kosteneffizienz natürlich Grundvoraussetzung. Die Kombination macht einen zufriedenen Kunden aus.“

Wachstum ist und bleibt das oberste wirtschaftliche Ziel. Wo sehen Sie Wachstumschancen für einen Standortbetreiber?

Ich sehe nach wie vor einen Trend, der in Richtung einer Konsolidierung von Industriestandorten geht. Produzierende Unternehmen stehen angesichts der Veränderungen von Märkten und Rahmenbedingungen vor großen Herausforderungen, die sich an kleinen, in Eigenregie betriebenen Standorten mittelfristig nicht optimal lösen lassen. Die meisten Unternehmen haben ihre Effizienzsteigerungspotenziale im eigentlichen Produktionsumfeld meist schon konsequent ausgeschöpft. Aber bei den Sekundärprozessen und der Infrastruktur lassen sich an den entsprechenden Schnittstellen häufig mit Hilfe eines professionellen Dienstleisters noch Optimierungspotentiale identifizieren und umsetzen, die auch wiederum der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit dienen. Ich bin sicher, dass das Thema Standortbetrieb bei vielen produzierenden Unternehmen auf der Agenda weiter nach oben rückt und sich für die Infraserv Höchst-Gruppe dort weitere Wachstumschancen ergeben.

„Produzierende Unternehmen stehen angesichts der Veränderungen von Märkten und Rahmenbedingungen vor großen Herausforderungen, die sich an kleinen, in Eigenregie betriebenen Standorten mittelfristig nicht optimal lösen lassen.“