Bildquelle: Infraserv GmbH & Co. Höchst KG / infraserv.com

Unternehmens- und Führungskulturen wandeln sich – und das nicht erst als Folge der Digitalisierung. Jürgen Vormann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Infraserv, erinnert sich im Interview an seine Anfänge in der Höchst Gruppe und erläutert, wie sich Führung in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat und welche Faktoren aus seiner Perspektive wichtig für eine erfolgreiche Unternehmenskultur sind.

01.11.2018, Interview mit Jürgen Vormann / Infraserv Höchst, geführt von Michael Müller / InfraservHöchst

Jürgen Vormann

Jürgen Vormann

ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Infraserv Höchst.

Welche Veränderungen erleben Sie bei Infraserv Höchst mit Blick auf die Führungskultur verglichen mit ihren eigenen Anfängen im Berufsleben? Hat sich das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Management gewandelt?

Die heutige Situation bei Infraserv Höchst ist nicht mit der Situation vergleichbar, die ich vor 28 Jahren bei meinem Einstieg bei der Hoechst AG vorgefunden habe. Natürlich hat sich die Führungskultur seitdem generell verändert. Und sie hat sich auch bei Infraserv Höchst sehr stark weiterentwickelt. Wir haben uns in den vergangenen drei Jahren in der Infraserv Höchst-Gruppe jedoch sehr intensiv mit  „Change“ beschäftigt – also einem tiefgreifenden Veränderungsprozess zur Verbesserung der Anpassungsfähigkeit unseres Unternehmens an die sich immer schneller wandelnden Umfeld- und Wettbewerbsbedingungen – und dabei sehr aktiv und intensiv an der Veränderung der Unternehmens- und damit auch der Führungskultur gearbeitet, mit Fokus auf die Führungs- und Kommunikationskultur. Meiner Meinung nach hat sich die Art und Weise, wie wir im Unternehmen über alle Hierarchieebenen miteinander umgehen, kommunizieren und zusammenarbeiten deutlich verändert und verbessert.

Wenn Sie heute bei Infraserv Höchst ihre Berufslaufbahn starten würden, wie würden Sie sich den Umgang zwischen Mitarbeiter und Führungskraft wünschen?

Ich wünsche mir einen konstruktiv-kritischen, motivierenden, fördernden und fordernden Umgang zwischen Führungskräften und Mitarbeitern, basierend auf Offenheit, Vertrauen und Wertschätzung füreinander. Wir erwarten von unseren Führungskräften und Mitarbeitern heute, dass sie kommunikationsbereit und -fähig in alle Richtungen sind. Ich bin davon überzeugt, dass wir nur mit gut informierten Mitarbeitern, die die Ziele und die Strategie unseres Unternehmens verstanden haben, in der Lage sind, die weitere unternehmerische Entwicklung von Infraserv Höchst durch bestmögliche, individuelle Leistungen zu unterstützen. Im Übrigen kann und muss über Kommunikation auch das so wichtige Feedback, sei es positiv oder negativ, von der Führungskraft an die Mitarbeiter transportiert werden. Das gilt übrigens auch in umgekehrter Richtung.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für das Management bei Infraserv Höchst im Zuge der Digitalisierung?

Wir sind als Führungskräfte auf der Managementebene gefordert, mit offenen Augen und Ohren und wachem Verstand die durch die Digitalisierung denkbaren und machbaren Entwicklungen nicht nur wahrzunehmen und zu bewerten, sondern dabei regelmäßig auch die Perspektive der eigenen Kunden und der Wettbewerber einzunehmen. Die größte Herausforderung für das Management besteht wie immer in Zeiten schneller Veränderungen darin, mutige Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen, um an diesen Entwicklungen unternehmerisch zu partizipieren. Dabei ist es besonders wichtig, die Mitarbeiter und Führungskräfte „mitzunehmen“, kontinuierlich zu qualifizieren und ihnen die Ängste zu nehmen, die in Bezug auf die Digitalisierung bei vielen Menschen vorhanden sind.

Ich wünsche mir einen konstruktiv-kritischen, motivierenden, fördernden und fordernden Umgang zwischen Führungskräften und Mitarbeitern, basierend auf Offenheit, Vertrauen und Wertschätzung füreinander.

Welche Auswirkungen der Digitalisierung können Sie bereits heute wahrnehmen, wenn Sie auf die Qualifikation der Mitarbeiter bei Infraserv Höchst blicken?

Bei unserer Tochtergesellschaft Provadis sind die Auswirkungen der Digitalisierung im Zusammenhang mit der Qualifizierung von Mitarbeitern besonders gut zu beobachten. Hier beschäftigen wir uns seit längerem sehr dezidiert nicht nur mit der Frage, welche digitalen Technologien wir künftig bei der Wissensvermittlung eingesetzt werden können, sondern wir hinterfragen verstärkt, welcher sinnvolle Mix aus digitalen Lerntechniken und klassischen, präsenzbasierten Methoden zur Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten langfristig den größten Erfolg verspricht. Darüber hinaus arbeiten wir in der Provadis schon heute an der Frage möglicher Veränderungen künftiger Ausbildungsinhalte in verschiedenen Berufsbildern im Zuge der Digitalisierung.

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Die größte Herausforderung für das Management besteht darin, mutige Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen, um an diesen Entwicklungen unternehmerisch zu partizipieren.

Die Digitalisierung verändert vieles, dennoch steht der Mensch uneingeschränkt im Mittelpunkt vor allem, wenn es um die Weiterentwicklung von Ideen und Innovationen geht. Welche Wege gehen Sie bei Infraserv Höchst, um das Innovationspotential am Standort zu stärken?

Infraserv Höchst ist innovativ. Das begann schon mit der Gründung des Unternehmens vor mehr als 20 Jahren. Damals war das Infraserv-Geschäftsmodell eines rechtlich selbstständigen Standort-Dienstleisters und Industriepark-Betreibers schon für sich genommen eine Innovation in der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Wir haben unser Geschäftsmodell in den vergangenen 20 Jahren in den verschiedenen Facetten und Leistungsspektren genauso innovativ weiterentwickelt wie wir auch unsere gesamte Standort-Infrastruktur durch technische Innovationen weiterentwickelt haben, um so die Wettbewerbsfähigkeit des Industrieparks Höchst und auch die Wettbewerbsfähigkeit von Infraserv Höchst als Dienstleistungsunternehmen zu verbessern. Heute stehen wir vor der Herausforderung, uns nicht auf dem Erreichten auszuruhen, sondern unser Geschäftsmodell technisch-kommerziell passender Kundenlösungen permanent zu hinterfragen und anzupassen. Dies wird uns in einem sich schneller wandelnden Wettbewerbs- und Technologie-Umfeld nur gelingen, wenn wir alle Mitarbeiter davon überzeugen können, das Erreichte jeden Tag aufs Neue auf den Prüfstand zu stellen und sich für innovative Lösungen zu öffnen, die verglichen mit dem Status Quo bessere Lösungen sein müssen. Dazu bedarf es einer breiten Unterstützung über alle Hierarchieebenen hinweg – angefangen bei der Geschäftsführung. Und wir brauchen bei Bedarf auch den Mut, eine verrückte Idee in die Diskussion einzubringen und manchmal auch schnell und beherzt umzusetzen.