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Durch die Digitalisierung verändern sich die Anforderungen an die Beschäftigten. Spezifisches Wissen und neue Kompetenzen sind gefragt. Welchen Beitrag kann die berufliche Bildung dafür leisten? Das neue Unternehmensnetzwerk DQC_Net in der Metropolregion Frankfurt Rhein-Main will dafür gemeinsam Lösungen entwickeln und Synergien nutzen.

01.06.2018, Björn Prästin

Schon seit längerem beschäftigt sich Provadis, der privater Aus- und Weiterbildungsdienstleister am Industriestandort Höchst, intensiv mit den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung für die Qualifizierung. Dass die virtuelle Welt den Bildungsbereich zunehmend verändern wird, ist auch vielen Verantwortlichen in Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie bewusst. Bildung 4.0 muss auf der einen Seite die neuen digitalen Methoden in der Qualifizierung anwenden und zum anderen Mitarbeiter für die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt qualifizieren. Damit ist Bildung sowohl Katalysator der Transformation im Bereich Digitalisierung als auch selbst Gegenstand der Digitalisierung in ihren Methoden und ihrer Didaktik.

Björn Prästin

Björn Prästin

ist Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH

Gemeinsam Lösungsansätze finden

Doch welche digitalen Methoden und Medien sind tatsächlich sinnvoll und vor allem wie können die neuen Kompetenzen vermittelt werden? Um in den nächsten Jahren gemeinsam in einem Netzwerk dazu Antworten zu erarbeiten, hat Provadis die Initiative ergriffen und Unternehmen der Branche und die Chemiesozialpartner für ein umfassendes Projekt gewinnen können: Anfang des Jahres konnte das Unternehmensnetzwerk DQC_Net (Netzwerk für digitale Qualifizierung in der Chemie) an den Start gehen. Gefördert wird das auf vier Jahre ausgelegte Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie des Europäischen Sozialfonds.

Offener Austausch in der Branche

Im Netzwerk aktiv sind neben Provadis Almo Erzeugnisse GmbH, die Biotest AG, die Chemische Fabrik Budenheim KG, DAW SE, Evonik Technology & Infrastructure GmbH, Ferro GmbH, Fresenius SE & Co. KGaA, G. E. Habich’s Söhne GmbH & Co. KG, Heraeus Holding GmbH, Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, der Arbeitgeberverband HessenChemie, die IG BCE Hessen-Thüringen und das IWAK Institut der Frankfurter Goethe-Universität. Provadis koordiniert die Arbeit des Netzwerkes mit einer eigens eingerichteten Geschäftsstelle. Neben der Vorbereitung der Netzwerktreffen und themenbezogenen Workshops kümmert sich der Bildungsdienstleister etwa auch um die Organisation von Referenten zu Best-Practice-Beispielen, um thematische Recherchen oder die Beauftragung von Studien in Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Begleitung.

Bildung sowohl Katalysator der Transformation als auch selbst Gegenstand der Digitalisierung in ihren Methoden und ihrer Didaktik.

Analoge und digitale Lehrmittel sinnvoll einsetzen

Unter den zehn Themenclustern wurden neben der Qualifizierung von Ausbildungspersonal sowie Auszubildenden und Mitarbeitern auch die Entwicklung und Veränderung der Berufsbilder, die künftige Zusammenarbeit mit der Berufsschule, Methoden und Content sowie Virtual Reality und Augmented Reality (VR/AR), mobiles Lernen und die Digitalisierung identifiziert. Der rote Faden, der sich durch alle Themen zieht, ist die Frage nach der Methodik, wie sie sich verändern wird und wie das richtige Mischungsverhältnis zwischen analogen und digitalen Lehrmitteln differenziert nach Zielgruppen und Lernzielen aussehen kann. Parallel zur Netzwerkarbeit sollen noch drei Teilprojekte umgesetzt und evaluiert werden: ein virtuelles 3D-Lerntool für eine Chemieanlage, kurze Videos zum arbeitsplatzintegrierten Lernen im betrieblichen Umfeld und eine Kommunikations- und Lernplattform.

Von guten Beispielen profitieren

Mit DQC möchte Provadis erreichen, dass der Nutzen der Digitalisierung anhand von guten Beispielen und wertvollen Erfahrungen im Netzwerk sichtbar und konkrete Lösungen für die Netzwerkpartner erarbeitet werden. Beim ersten Netzwerktreffen im März erhielten die Teilnehmer einen Einblick in die Möglichkeiten und den Nutzen des mobilen Lernens an der Schule. In der voll digitalisierten Oberschule Gehrden arbeitet beispielsweise jeder Schüler und jeder Lehrer mit einem Tablet und mit schuleigenem Content. Die Schulbücher wurden abgeschafft und Kooperationen mit der Wirtschaft vereinbart.

Für die nächste Projektphase stehen besonders das Thema mobiles Lernen und die Zusammenarbeit mit der Berufsschule im Fokus.

DQC_Net ist darauf ausgelegt, zu wachsen. Am Netzwerk oder an Veranstaltungen interessierte Unternehmen können sich an DQC_Net-Projektleiter Björn Prästin (Provadis) wenden: bjoern.praestin@provadis.de. Weitere Information finden Sie unter www.provadis.de