Bildquelle: Infraserv GmbH & Co. Höchst KG / infraserv.com

Große Potenziale für einen Industrie-Dienstleister. Infraserv-Geschäftsführer Dr. Joachim Kreysing spricht über die Folgen des digitalen Wandels am Industriepark Höchst.

01.06.2018, Interview mit Dr. Joachim Kreysing / Infraserv Höchst, geführt von Christiane Zimmer

Herr Dr. Kreysing, was bedeutet Digitalisierung für Infraserv Höchst nun ganz konkret – gerade auch an einem Chemie- und Pharmastandort wie dem Industriepark Höchst?

Aus meiner Sicht stehen wir als Branche bei der Digitalisierung erst ganz am Anfang einer Entwicklung, die Arbeitswelten nachhaltig verändert und auch das Verhältnis von Produzent und Dienstleister weitreichend beeinflusst. Ich sehe in der Digitalisierung auch für uns als Industrie-Dienstleister große Potenziale, wenn es um Effizienzsteigerung und die Optimierung von Wertschöpfungsketten geht. Wir haben bei Infraserv Höchst eine ganze Reihe von Projekten gestartet, um die neuen technologischen Möglichkeiten zu prüfen. Wobei wir in verschiedenen Bereichen schon heute sehr intensiv als Partner mit unseren Kunden zusammenarbeiten. In der Logistik spielen beispielsweise der Datentransfer und zunehmend auch die intelligente Datenanalyse eine große Rolle. Dort haben wir im Bereich der Zugangssteuerung und den damit verbundenen Prozessen wie dem Lade-Slot-Management und der Transportsteuerung bereits digitale Lösungen umgesetzt, die zu einer deutlichen Vereinfachung und Beschleunigung geführt haben, bei besserer Prozessqualität. Auch unsere neue Tochtergesellschaft, die Infraserv Höchst Prozesstechnik GmbH, setzt bei der Instandhaltung auf digitale Prozesse. Das beginnt bei der Stammdatenverwaltung des technischen Equipments und geht so weit, dass der Kunde bei der Wartung von Anlagen via Datenbrille live zugeschaltet werden kann und sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild machen kann.

Dr. Joachim Kreysing

ist Geschäftsführer von Infraserv Höchst.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrer strategischen Unternehmensplanung?

Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit der Frage, wo sich unser bestehendes Geschäftsmodell optimieren lässt, wie sich ganz neue Chancen aus der Digitalisierung ergeben und natürlich auch, wo es Risiken geben könnte. Experten aus unseren unterschiedlichen Organisationseinheiten tauschen sich in interdisziplinären Teams aus und schauen natürlich auch in den jeweiligen Arbeitsgebieten über den Tellerrand, durch den Kontakt zu anderen Unternehmen und unseren Kunden. Für die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie bietet die Digitalisierung aus meiner Sicht enorme Möglichkeiten. Wir sind gerade sehr erfolgreich dabei, in Teilmärkten mit spezifischen Services außerhalb des Industrieparks neues Geschäft zu generieren. Natürlich sind wir als Dienstleistungsunternehmen in erster Linie mit eigenen Mitarbeitern vor Ort, aber die Digitalisierung kann auch dabei helfen, beispielsweise ortsunabhängig auf Know-how zurückzugreifen.

„Ich sehe in der Digitalisierung auch für uns als Industrie-Dienstleister große Potenziale, wenn es um Effizienzsteigerung und die Optimierung von Wertschöpfungsketten geht.“

Dr. Joachim Kreysing

Inwieweit verändert die Digitalisierung die Kundenbeziehungen mit Infraserv Höchst?

Wir sind in vielen Bereichen schon heute mehr Partner als nur Auftragnehmer und arbeiten sehr eng mit den Kunden zusammen. Um die Optimierungspotenziale zu nutzen, die sich aus der Digitalisierung ergeben, ist der Datentransfer entscheidend. Das setzt ein hohes Maß an Vertrauen voraus, und da haben wir bei den meisten Kunden eine sehr gute Ausgangsposition. Sie wissen unsere Expertise und die Qualität unserer Leistungen zu schätzen und vertrauen uns auch, wenn es um die Nutzung von Daten geht.

Welche Chancen und welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?

In Bezug auf die Digitalisierung fange ich mal mit der Herausforderungen an. Solche Projekte dürfen kein Selbstzweck sein. Wir müssen gerade als breit aufgestellter Dienstleister mit unseren vielen Arbeitsgebieten darauf achten, dass wir nicht auf jeden Zug aufspringen und nicht bei jedem Trend mitmachen. Dabei kann man sich auch leicht verzetteln und Ressourcen verschwenden. Wir achten bei Digitalisierungsprojekten sehr genau auf den Kundennutzen und wollen die Kunden auch möglichst frühzeitig einbeziehen. Nur so lässt sich gewährleisten, dass wir unsere Ressourcen effizient einsetzen. Eine weitere, nicht zu unterschätzende Herausforderung besteht aus meiner Sicht darin, beim Thema Digitalisierung die Menschen mitzunehmen, die Mitarbeiter. Unsere Arbeitswelt verändert sich immer rasanter, Entwicklungszyklen werden kürzer, aber gleichzeitig sorgt der demographische Wandel dafür, dass die Belegschaften in vielen Firmen älter werden und junge Nachwuchskräfte rar sind. Auch darauf müssen wir achten: Dass wir die Mitarbeiter nicht überfordern und kontinuierlich Qualifizierungsangebote schaffen. Es ist wichtig, für eine Unternehmenskultur zu sorgen, in der die kontinuierliche Weiterbildung und die Auseinandersetzung mit neuen Technologien einfach dazugehört.

„Es ist wichtig, für eine Unternehmenskultur zu sorgen, in der die kontinuierliche Weiterbildung und die Auseinandersetzung mit neuen Technologien einfach dazugehört.“

Dr. Joachim Kreysing