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In punkto Breitbandausbau hat sich Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten nicht mit Ruhm bekleckert. Im internationalen Vergleich ist die Industrienation sogar Schlusslicht. Mit 5G – so die Hoffnung – soll sich das ändern.

27.11.2019, Bettina Blass

Eine Zahl und ein Buchstabe: 5G. Diese Kombination könnte den Alltag für uns alle mehr verändern, als viele andere Innovationen es in der Vergangenheit getan haben. „Mit 5G setzen wir einen Meilenstein in der Vernetzung“, sagt Reinhard Heister, Geschäftsführer Elektrische Automation beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). „Das Internet of Things steht jetzt noch am Anfang. Mit 5G wird es sein Potenzial voll entfalten.“ Ein Beispiel? Mit automatisch fahrenden Traktoren, Häckslern oder Mähdreschern und Straßenbaumaschinen wie Baggern und Radladern werde eine drahtlose Steuerung möglich sein; und das auch außerhalb des Betriebs wie etwa auf dem Feld oder der Baustelle, meint der Experte. Vorstellbar sei außerdem eine vorausschauende Wartung sowie die Übergabe und Quittierung von Arbeitsbefehlen – wenn die Betreiber das wünschen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) nennt ein ähnliches Beispiel: „Durch den neuen Mobilfunkstandard wird sich das automatisierte und vernetzte Fahren weiterentwickeln“, sagt Joachim Damasky, Geschäftsführer des VDA. „Über eine leistungsfähige Kommunikation können zusätzliche Informationsquellen erschlossen werden. Fahrzeuge erreichen dadurch eine höhere Sichtweite.“

Auch beim Verband der Chemischen Industrie (VCI) fiebert man der neuen Welt entgegen: „Mit 5G lassen sich Daten mittels Sensoren leichter an Stellen erheben, die schwer zugänglich sind“, sagt Christian Bünger aus der Abteilung Wirtschaft, Finanzen und IT. Denkbar sei zum Beispiel eine Tankinspektion mithilfe einer Drohne – mit Echzeitübertragung von hochauflösenden Videos. Für Gunther Koschnick, Geschäftsführer des Fachverbands Automation beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) ist entscheidend, dass ein Viertel des Frequenzspektrums für lokale Campusanwendungen freigehalten wurde: „Damit kommen sich die drahtlose Kommunikation auf dem Werksgelände und der öffentliche Mobilfunkbetrieb nicht in die Quere“, sagt er. „5G ermöglicht so eine zuverlässige, sichere Übertragung innerhalb der Produktion – zum Beispiel beim Einsatz mobiler Roboter.“ Auch der VDMA begrüßt diese von der Bundesnetzagentur vorgesehenen, privaten industriellen Mobilfunknetze, gibt aber zu bedenken, dass für viele kleine und mittelständische Unternehmen diese Art der Infrastruktur noch unbekannt sei. Greifen jedoch nur große Firmen auf Campusnetze zurück, wird Deutschland innovative Technologie verloren gehen, die häufig gerade aus dem Mittelstand kommt.

„Deutschland ist nicht führend in der Herstellung der 5G-Basistechnologie. Wir können aber führend werden bei der industriellen Anwendung von 5G.“

Reinhard Heister, Geschäftsführer Elektrische Automation beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

Angst vor weißen Flächen auf der 5G-Landkarte

Doch der flächendeckende 5G-Ausbau hat eben Haken: „Er ist teuer und braucht Zeit“, sagt Bünger. „Wir wissen das. Trotzdem benötigt der Mittelstand dringend diese neue Technologie, um sich weiterentwickeln zu können.“ Die Sorge des VCI ist, dass es letztlich doch weiße Flecken auf der 5G-Karte geben wird, speziell in Regionen, in denen nicht viele Leute leben, es aber Unternehmen gibt. „So etwas können wir uns nicht erlauben, denn dann wird Deutschland abgehängt“, sagt Bünger. Auch der VDMA hat Bedenken: „Jeder kennt es aus dem Alltag: Mobilfunkverbindungen reißen ab, auch entlang von Autobahnen oder viel befahrenen Bahnstrecken. Das darf bei industriellen Anwendungen nicht passieren“, sagt Reinhard Heister. Ein robustes und schnelles Netz sei zwingend notwendig, denn „Deutschland ist nicht führend in der Herstellung der 5G-Basistechnologie“, so Heister. „Wir können aber führend werden bei der industriellen Anwendung von 5G. Der VDMA wirbt darum mit seinem Netzwerk dafür, dass der Maschinen- und Anlagenbau diese historische Chance nicht verpasst.“ Der VDA äußert sich ebenfalls kritisch: „Der Vorschlag der Bundesnetzagentur, für Bundesautobahnen und -straßen bis Ende 2022 eine vollständige Versorgung mit 100 Mbit/s zu erreichen, ist nicht ausreichend. Ziel muss es sein, bis 2025 eine flächendeckende, dynamische Mobilfunkfunkversorgung entlang aller Hauptverkehrswege und in den urbanen Räumen zu schaffen.“