Bildquelle: Infraserv GmbH & Co. Höchst KG / infraserv.com

Innovation setzt voraus, neu und mitunter unkonventionell an Themen heranzugehen und sich selbst keine Denkverbote aufzuerlegen. Gerade in großen, gefestigten Organisationen wie Infraserv Höchst ist dabei auch eine gewisse Portion Mut erforderlich.

31.05.2019, Interview mit Dr. Joachim Kreysing / Infraserv Höchst, geführt von Christiane Zimmer

Dr. Joachim Kreysing

ist Geschäftsführer von Infraserv Höchst.

Was bedeutet für Sie Mut im unternehmerischen Alltag?

Mut hat viele Facetten. Ich verbinde damit vor allem die Bereitschaft, sich auch neuen, unbekannten Situationen zu stellen und Unsicherheiten in Kauf zu nehmen. Wir alle bewegen uns gern in dem Rahmen, den wir kennen und in dem wir uns wohlfühlen. Neues auszuprobieren und dabei auch gewisse Risiken einzugehen, das hat für mich etwas mit Mut zu tun. Als Geschäftsführer sehe ich die größte Aufgabe darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Mitarbeiter mutig agieren können. Das bedeutet nicht nur Handlungsspielräume einzuräumen und Verantwortung zu delegieren, sondern vor allem auch die Unternehmenskultur so zu gestalten, dass Mut möglich wird. Dabei muss man auch bereit sein, Zügel aus der Hand zu geben und mit Unsicherheiten zu leben. Weniger Kontrolle, mehr Eigenverantwortung und mehr unternehmerisches Handeln – auch wenn ich vielleicht manches im Detail anders machen würde. Aber auf diese Weise kommen wir insgesamt zu mehr Agilität und Flexibilität, zu mehr Motivation und Identifikation. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir als Unternehmen erfolgreicher sind, wenn wir Mut fördern und zulassen – dabei muss man am Anfang selbst ein bisschen mutig sein.

„Wir alle bewegen uns gern in dem Rahmen, den wir kennen und in dem wir uns wohlfühlen. Neues auszuprobieren und dabei auch gewisse Risiken einzugehen, das hat für mich etwas mit Mut zu tun.“

Wie geht Infraserv Höchst als Unternehmen dabei vor?

Wir haben vor drei Jahren eine Initiative unter dem Motto „Zusammen.Wachsen“ gestartet, um die Unternehmenskultur zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Dabei ist Mut neben Wertschätzung, Verantwortung oder Orientierung ein ganz zentraler Wert. Schon die Art und Weise, wie wir diese Initiative auf den Weg gebracht und vorangetrieben haben, hat sich deutlich von anderen Projekten unterschieden und war in unserer Unternehmens-Welt durchaus mutig. Wir sehen heute die Erfolge von Zusammen.Wachsen: Die Art der Zusammenarbeit hat sich verändert, der Umgang miteinander ist offener geworden, und ich sehe in vielen Bereichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich mehr trauen und mehr zutrauen. Das finde ich richtig gut, wobei wir diesen Weg weiter beschreiten müssen.

Wie sollte es aus Ihrer Sicht um die Fehlerkultur im Unternehmen bestellt sein?

Fehler machen und auch offen zu bekennen, dass man Fehler gemacht hat, um daraus gemeinsam mit anderen die richtigen Schlüsse zu ziehen, das gehört auf jeden Fall dazu. Ich finde es enorm wichtig, sich immer wieder selbst zu hinterfragen und sich auch von anderen hinterfragen zu lassen. Auch dazu muss man die Menschen mitunter ermutigen. Aber nur wenn ich ehrliches, kritisches Feedback bekomme, kann ich mich selbst weiterentwickeln.

Und das gilt letztendlich auch für Unternehmen. Eine erfolgreiche Firma braucht auch eine von Offenheit geprägte Fehlerkultur, in der man Lernerfahrungen teilt und sich gegenseitig dabei unterstützt, besser zu werden. Nur so kann ein Unternehmen auch innovativ sein und ganz neue Ideen umsetzen.

„Eine erfolgreiche Firma braucht auch eine von Offenheit geprägte Fehlerkultur, in der man Lernerfahrungen teilt und sich gegenseitig dabei unterstützt, besser zu werden.“

Demnach kann ohne Mut kein Innovationsprozess erfolgreich sein?

Innovation setzt voraus, dass ich ganz neu an Themen herangehe und mir keine Denkverbote auferlege. Gerade in großen, gefestigten und letztendlich auch erfolgreichen Organisationen ist dabei auch eine gewisse Portion Mut erforderlich. Wir haben uns bei Infraserv Höchst auch in Bezug auf das Thema Innovation neu aufgestellt, mit einer offenen Community, in der sich Mitarbeiter mit ihren Ideen einbringen können, und mit einem Ideation Lab, das auch die geeigneten Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Innovationen bietet. Neu ist dabei die Vorgehensweise, dass wir nicht ein fest definiertes Projekt abarbeiten, sondern Ideen entwickeln und uns dabei auch nicht scheuen, Vorschläge vorzubringen, die im ersten Moment etwas verrückt erscheinen. In der Community geht es auch nicht um Hierarchieebenen oder Verantwortlichkeiten einzelner Organisationseinheiten. Das alles unterscheidet sich schon deutlich von der sonst üblichen Vorgehensweise. Und damit sind wir wieder beim Thema Mut: Diesen Weg zu beschreiten, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, dabei auch einer gewissen Skepsis zu begegnen und Widerstände zu überwinden, Führungskräfte und Mitarbeiter für diesen Weg zu gewinnen, sie zu überzeugen und zu Mitstreitern zu machen – das alles wäre ohne Mut nicht möglich gewesen.