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Wo steht Deutschland bei der Energiewende? Wieso kommt sie im Stromsektor voran, nicht aber bei der Wärmegewinnung? Forscher beschäftigen sich ausführlich mit diesen Fragen, doch ihre Erkenntnisse sind bisher wenig bekannt. Das wollen Markus Fritz und Julius Wesche mit ihrem Podcast „EnPower“ ändern.

22.05.2020, Charlotte Schmitz

Ein Bier ist immer mit dabei, wenn Markus Fritz und Julius Wesche mit ihrem Gast sprechen. „Der Podcast soll sich so anhören, als würden wir uns in der Kneipe treffen und unterhalten“, erklärt Julius Wesche. Doch es sind keine Stammtischgespräche, die die beiden Gründer von „enPower“ alle zwei Wochen mit ihren Studiogästen führen. Ganz im Gegenteil: Es geht um das komplexe Thema der Energiewende in Deutschland, auf welchem Stand sie ist und wie sie voran kommt.

Fritz und Wesche kennen sich mit dem Thema aus, denn beide promovieren am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe. Während Markus Fritz seine Doktorarbeit über die Nutzung von Abwärme zur Gebäudeheizung schreibt, beschäftigt sich Julius Wesche mit der Frage, wieso die Energiewende im Wärmesektor langsamer voran geht als auf dem Strommarkt.

Zielgruppe Jugend

Die beiden Podcaster wollen vor allem eine junge Zielgruppe erreichen. „Auch Jüngere können was reißen“, beschreibt Wesche die Botschaft der beiden. Deshalb wollen sie in Zukunft Start-ups vorstellen, die die Energiewende in Deutschland voran bringen, während sie bisher vor allem Wissenschaftler zum Gespräch einluden. An Studiogästen mangelt es ihnen nicht, denn durch die Beschäftigung am Fraunhofer-Institut sind sie bestens vernetzt. „Wir haben noch 30 Experten auf unserer Liste für die nächsten Folgen“, verraten die beiden. Auch um Themen sind sie nicht verlegen. Während die ersten Folgen den Status Quo („leider nicht so gut“) erörterten, ging es anschließend um die sechs Sektoren, in der die Energiewende stattfinden soll, vom Strommarkt über Verkehr bis hin zur Wärmeerzeugung.

Die Idee scheint aufzugehen. Zunächst machten Fritz und Wesche ihre Bekannten per Twitter und Instagram sowie die Webseite https://www.enpower-podcast.de/ auf ihr Projekt aufmerksam. Heute haben bereits 1.000 User den Podcast abonniert. Regelmäßig melden sich Hörer bei Fritz und Wesche mit Feedback und Vorschlägen für neue Themen. „Offensichtlich besteht ein Bedarf an Information“, konstatiert Wesche.

 „Anfangs haben wir eine Investition von 400 Euro getätigt. Unser Podcast soll werbefrei bleiben, wir wollen daran nichts verdienen.“
Markus Fritz, Autor und Moderator des EnPower-Podcast

Werbefreie Kommunikation

Für jede Folge arbeiten die beiden etwa einen Tag lang. Sie überlegen sich Fragen, schreiben ein kurzes Skript und nehmen den Beitrag auf. Anschließend muss er technisch aufbereitet und über die Sozialen Medien beworben werden. „Anfangs haben wir eine Investition von 400 Euro getätigt“, erklärt Fritz. Wesche ergänzt: „Unser Podcast soll werbefrei bleiben, wir wollen daran nichts verdienen.“

Es ist nicht immer leicht, die anspruchsvollen Themen der Wissenschaft verständlich darzustellen. „Ich glaube, wir werden besser“, meint Markus Fritz. Schließlich sind auch die Gesprächspartner keine geübten Medienmenschen, das eine oder andere „äh“ schleicht sich immer wieder ein. Fritz und Wesche kommt es jedoch vor allem auf die Inhalte an. Sie wollen, dass jeder versteht, woran die Wissenschaft aktuell forscht. Sie erklären daher weniger bekannte Begriffe wie „Carbon Capture and Storage“, also die Speicherung von Kohlendioxid, um dieses der Atmosphäre zu entziehen. Am Ende jeder der rund einstündigen Folgen des Podcasts nehmen sie sich einige Minuten Zeit, um das wichtigste der Sendung zusammen zu fassen.

Die Themen werden ihnen nicht ausgehen, denn „Deutschland steht leider noch nicht da, wo es hinwollte“, bedauern die beiden Podcast-Produzenten. Die Ziele für 2020 würden aufgrund der durch Corona abgebremsten Wirtschaft eventuell erreicht, die für 2030 jedoch vermutlich nicht. „Da müssen wir noch große Anstrengungen unternehmen, um die Transformationsprozesse voran zu treiben.“ Fritz und Wesche arbeiten daran, dass dies noch mehr Leuten bewusst wird.