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„Wahre Schönheit kommt von innen“ lautete in den 1980er Jahren der Werbeslogan für eines der bekanntesten Produkte des Frankfurter Pharma-Unternehmens Merz. Auch heute ist Merz mit der Schönheit auf einem guten Kurs.

22.05.2020, Interview mit Philip Burchard / Merz Pharma; geführt von Christiane Zimmer

Philip Burchard

ist CEO von Merz Pharma und Vorsitzender des Gesellschafterrates

Herr Burchard, Merz Pharma hat in den vergangenen Jahren eine umfassende Neuausrichtung erlebt. Die Umsatzrekorde, die mit dem Alzheimer-Medikament Memantine erzielen konnte, mussten durch den Patentauslauf anderweitig aufgefangen werden. Was hat Sie bewogen, sich auf das Geschäftsfeld für ästhetischen Medizin zu fokussieren?

Merz hat seine Wurzeln in der Ästhetik. Bereits seit den Gründungstagen von Merz vor 112 Jahren, war die Ästhetik immer ein Teil des Unternehmens. So hat der Firmengründer Friedrich Merz Hautcremes produziert oder auch die berühmten Merz Spezial Dragees als, „Schönheit von Innen“ erfunden. Wir haben uns bei der Neuausrichtung daher gezielt auch an der Geschichte orientiert, aber auch keine Scheu gehabt, uns komplett neu zu erfinden. Indem wir unser Geschäft sehr stark fokussiert haben. Unsere langjährige Expertise in der Neurologie haben wir ebenfalls gestärkt als unser zweites strategisches Geschäftsfeld.

Die ästhetische Medizin ist ein unglaublich spannendes Geschäft, das sehr agil und innovativ ist. Außerdem verbindet es unsere geballte Pharma-Kompetenz mit unserer Erfahrung mit Endkunden, die wir durch unser Consumer-Care-Geschäft seit Jahrzehnten besitzen.

Das Geschäft mit der Schönheit scheint ein krisenfestes Business zu sein. Branchenkenner prognostizierten vor der Corona-Krise ein Umsatzplus von jährlich elf Prozent bis 2025. Warum ist der Markt so erfolgreich?

Schönheit hat die Menschheit schon immer fasziniert und das bleibt auch so. In den vergangenen Jahren hat sich sehr viel im Bereich Schönheitsprodukte getan und die ästhetische Medizin wird von immer mehr Menschen in Anspruch genommen. Minimal oder sogar non-invasive Prozeduren zur Hautstraffung oder Hautverjüngung sind sehr effizient. Daher werden sie auch von der Gesellschaft immer mehr akzeptiert.

Nicht zuletzt werden wir alle zum Glück immer älter und sind länger gesund und fit als die Generationen zuvor. Da ist es leicht verständlich, dass sich die Menschen wünschen genauso jung und gut auszusehen wie sie sich auch fühlen.

Die ästhetische Medizin ist ein unglaublich spannendes Geschäft, das sehr agil und innovativ ist.

Hat die Corona-Krise Auswirkungen auf die Marktentwicklung?

Die Coronakrise hat natürlich auch im Bereich der ästhetischen Medizin Auswirkungen. Viele Praxen haben während des Lockdowns in einzelnen Ländern vorrübergehend geschlossen. Noch haben wir weltweit die Coronakrise nicht überstanden und wissen daher nicht wie lange sie anhalten wird oder ob es eine längerfristige weltweite Rezession gibt. Derzeit gibt es aber Hoffnungsschimmer, dass es eben keine längerfristigen Auswirkungen auf die Marktentwicklung gibt. In Ländern, in denen es bereits Lockerungen der Schutzmaßnahmen gibt, können wir beobachten, dass die Patienten sofort wieder Behandlungen wünschen.

Die Transformation bei Merz ist noch nicht vorbei: Seit Jahresbeginn baut Merz Pharma seine Organisationsstruktur um. Künftig soll es drei Teilsegmente geben, die eigenständig agieren: Ästhetik, Therapeutik und Consumer-Care. Was erhoffen Sie sich mit der Eigenständigkeit der Bereiche?

Unser Fokus auf die drei Geschäftsbereiche bleibt gleich. Wir haben aber gemerkt, dass jeder einzelne Bereich ganz unterschiedliche Märkte und unterschiedliche Kundenbedürfnisse hat. Um auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden noch besser eingehen zu können und damit jeder Bereich agiler agieren kann, haben wir uns entschieden, die drei Bereiche unabhängiger und eigenständiger aufzustellen. Aber sie bleiben unter dem Dach eines Unternehmens.

Wie erleben die Mitarbeiter die Reorganisation und wie geht Umbau voran?

Unser Ziel war es von Beginn an, alle Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen. Daher haben wir sehr früh die geplante Reorganisation kommuniziert. Das hat sich ausgezahlt, denn es gibt intern große Unterstützung und viel Rückenwind dafür. Die Gründe, warum wir uns dafür entschieden haben, können alle nachvollziehen.

Dank der aktiven Mitwirkung von so vielen Mitarbeitern, konnten wir den Umbau früher abschließen als geplant. Seit März 2020 haben wir die neue Struktur implementiert.

In Ländern, in denen es bereits Lockerungen der Schutzmaßnahmen gibt, können wir beobachten, dass die Patienten sofort wieder Behandlungen wünschen.

Was sind die nächsten Meilensteine?

Nachdem wir die aktuelle Umstrukturierung in so kurzer Zeit geplant und umgesetzt haben, muss diese nachhaltig mit Leben gefüllt werden. Die Vorarbeiten sind alle erledigt und jetzt liegt es an den einzelnen Bereichen, die selbst gesteckten Ziele aktiv anzugehen. Nach den ersten zwei Monaten in der neuen Organisationsstruktur habe ich aber keine Zweifel, das ihnen das auch gelingen wird.