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Johannes Wandt hat mit seiner Batterieforschung den Deutschen Studienpreis 2018 in den Natur- und Technikwissenschaften der Körber-Stiftung gewonnen. Schon zu Schulzeiten begann er sich für Chemie zu begeistern. Ein Einblick in sein junges Forscherleben

27.11.2019, Dr. Johannes Wandt

Batterien sind das Spezialgebiet von Johannes Wandt. Der promovierte Chemiker arbeitet schon länger an der Verbesserung der Speichertechnologie, auch weil für ihn der Umstieg auf Elektroautos unerlässlich ist im Kampf gegen den Klimawandel. Dafür braucht man nun einmal bessere Batterien, die günstiger und schneller zu laden sind. „Mir ist schon wichtig, meinen Beitrag zu leisten, weil ich persönlich daran glaube, dass Elektromobilität Sinn macht und umsetzbar ist“, sagt der 30-Jährige.

Mit seiner Batterieforschung hat er 2018 den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung in den Natur- und Technikwissenschaften gewonnen. Sein Wettbewerbsbeitrag „Bessere Batterien: Direkte Einblicke in Alterungsprozesse von Lithium-Ionen und Post-Lithium-Ionen-Zellen“ greift einige Projekte seiner kumulativen Dissertation auf, die er im Sommer 2017 bei Hubert A. Gasteiger, Professor und Lehrstuhlinhaber für Technische Elektrochemie am der TU München abgegeben hat. In seinem Artikel stellt Wandt die in den Batterien auf atomarer Ebene ablaufenden chemischen Prozesse dar, die er selbst in Echtzeit beobachten konnte. Die naturwissenschaftlichen Erklärungen sind in das gesellschaftliche Thema Elektromobilität eingebettet.

Dr. Johannes Wandt

Dr. Johannes Wandt

Projektarbeit statt Labor

Johannes Wandt hat vor einem Jahr als Specialist Battery Cell Technology in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung in der BMW Group angefangen. Der Münchner Automobilhersteller sei mit Abstand seine erste Wahl gewesen . „Hier kann ich das Thema Elektromobilität weiter bearbeiten. Batterien interessieren mich wissenschaftlich sehr und das Elektroauto ist nun einmal die Königsdisziplin in diesem Bereich. Es stellt die höchsten Anforderungen an Batterien“, erklärt Wandt seine Motivation. Im Labor verbringt er kaum noch Zeit, stattdessen arbeitet er am Rechner. „Mein Thema ist weiterhin das schnelle Laden von Batterien auf Zellebene, ich arbeite an neuen Konzepten und neuen Methoden.“ Er mag es, Probleme zu lösen, aber vor allem auch, kreativ immer Neues zu schaffen.

Sein Forscherdrang lässt ihn leicht aus den Federn kommen: Meist startet er früh morgens in den Tag, die flexible Gleitzeit bei BMW kommt ihm entgegen. Das Großraumbüro teilt er sich mit Kollegen, von denen er einige seit der Promotionszeit kennt. Der Austausch zwischen seinem Münchner Lehrstuhl und dem Autobauer war damals schon intensiv. Er mag es, im Team zu arbeiten. Jeder Forscher sei letztlich nur ein kleiner Mosaikstein in der Community, der alleine nichts auf die Beine stellen könne, ist er überzeugt. Bei BMW hat er viele internationale Kollegen: „Manche kommen gerade von der Uni, andere sind Topexperten mit Industrieerfahrung. Eine sehr gute Mischung“, so Wandt.

„Mein Thema ist weiterhin das schnelle Laden von Batterien auf Zellebene, ich arbeite an neuen Konzepten und neuen Methoden.“

Johannes Wandt

Rundum zufrieden in München

Mit dem Wechsel in die Wirtschaft hat sich Wandts Auftreten etwas verändert. Jetzt trägt er auf der Arbeit meist ein Hemd, auch wenn er generell nach wie vor T-Shirt und Turnschuhe bevorzugt. Die Arbeit selbst ist weiterhin von großer Forschungsfreiheit geprägt. Dabei schätzt er die hohe Eigenverantwortung. „Unsere Chefin lässt uns sehr große Freiheiten bei der thematischen Ausgestaltung und bei der Projektauswahl“, sagt er.

Was die Zukunft beruflich bringt, das lässt er erst einmal auf sich zukommen: Gerade ist er dabei, sich einen guten Einblick in die industrielle Arbeitswelt zu schaffen. „Ich will die Entwicklung der Elektroautos über mehrere Jahre begleiten. Diese Forschungs- und Entwicklungsposition ist daher genau die richtige Stelle für mich“, sagt er. Auch weil das soziale Umfeld stimme: Er kann weiterhin in München leben. Die Stadt, in der er studiert und sich einen großen Freundeskreis aufgebaut hat. Inzwischen fühlt er sich hier so zu Hause wie etwa im eineinhalb Stunden entfernten oberbayerischen Altötting, wo er aufgewachsen ist und immer noch ein WG-Zimmer besitzt.

Den offenen Blick des Forschers kann man bei Johannes Wandt auch im Privaten finden: So verbrachte er im Studium ein Auslandssemester in Stockholm, als Backpacker reist er am liebsten an abenteuerliche Orte, etwa nach Süd- und Mittelamerika oder bald vielleicht in die Subsahara. Neben alldem engagiert er sich auch noch ehrenamtlich: Schon in der Schulzeit hatte der Sportfan zeitweise eine Jugendfußballmannschaft mitbetreut. An der Chemiefakultät unterstützte er als Mentor mehrere Jahre ausländische Studierende. „Ich habe mich immer engagiert, wenn ich die Projekte sinnvoll fand und sie mir gleichzeitig Spaß gemacht haben.“ Gerade schaut er sich nach einem neuen ehrenamtlichen Betätigungsfeld um. Reizen würde ihn eine Aufgabe im Bereich der städtischen Mobilität. Klar, dass Wandt als überzeugter Klimaschützer viel mit dem Fahrrad unterwegs ist. Nur bei schlechtem Wetter nutzt er den öffentlichen Nahverkehr. Auf der Arbeit leiht er sich gern eines der grünen Diensträder, um die weit verstreuten Firmenstandorte innerhalb der Stadt zu erreichen.

Eine Mischung aus Zielstrebigkeit und Ausdauer

Neben der Kreativität und Offenheit, die Wandt auszeichnen, sieht er seine persönlichen Stärken, denen er auch seinen bisherigen beruflichen Erfolg zuschreibt, in zwei anderen Bereichen: „Eine Mischung aus Zielstrebigkeit und Ausdauer. Wenn ich von einem Ziel überzeugt bin, habe ich ein Projekt bisher immer zum Erfolg bringen können.“ Er denkt dabei an seine Promotion aber auch an den „Jugend Forscht“-Wettbewerb 2007, bei dem er im Fachbereich Chemie Bundessieger wurde: Parallel zur Abiturvorbereitung arbeitete er über Wochen und Monate im kleinen Chemielabor im Hobbykeller seiner Eltern – nachts, am Wochenende und an Feiertagen –, um die Entstehung von Magnetit zu untersuchen. Dabei entdeckte er die zeitaufgelöste Operando-Analytik für sich, die er auch später im Studium benutzen sollte. Und er erkannte, dass sich Einsatz und Eigeninitiative am Ende auszahlen. Er weiß aber auch: „Solch einen Arbeitseinsatz kann man nur bringen, wenn man von etwas überzeugt ist.“