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Wie können große Konzerne durch Fusionen wachsen und ihr Portfolio stärken? Ein Interview mit Dr. Joachim Hasenmaier, Leiter des Bereichs Tiergesundheit und Mitglied der Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim.

14.11.2017, Interview mit Dr. Joachim Hasenmaier / Boehringer Ingelheim, geführt von Christiane Zimmer / Fazit Communication

Dr. Joachim Hasenmaier

ist Board of Managing Directors bei Boehringer Ingelheim.

Herr Hasenmaier, zum Jahresbeginn hat Boehringer Ingelheim Merial, das Tiergesundheitsgeschäft von Sanofi, in einem Geschäftstausch übernommen. Was waren die Gründe, die Bindung mit Merial einzugehen?

Die Portfolios von Boehringer Ingelheim und Merial in der Tiergesundheit passen zusammen wie zwei Teile eines Puzzles. Während Boehringer Ingelheim vor allem im Nutztierbereich führend war, ist Merial traditionell bei Präparaten für Kleintiere wie Hund und Katze hervorragend aufgestellt. Durch die Kombination dieser Stärken können wir das Potenzial des Tiergesundheitsmarktes, der sich weltweit in einer Konsolidierungsphase befindet, voll ausschöpfen. Die Übernahme von Merial hat uns hier direkt in eine deutlich bessere Ausgangsposition gebracht. Durch den Zusammenschluss zweier dynamischer Unternehmen mit gleicher strategischer Langzeitvision können wir unseren Kunden ein noch größeres und innovativeres Produkt- und Serviceportfolio anbieten.

Was bedeutet der Zusammenschluss dieser beiden führenden Anbieter im Bereich Tiergesundheit für den Standort Deutschland?

Der Zusammenschluss bedeutet auch eine Stärkung des Standorts Deutschland. Durch die Kombination zweier führender Unternehmen im Bereich Tiergesundheit mit europäischen Wurzeln haben wir einen neuen Global Player mit über 10.000 Mitarbeitern geschaffen, der weltweit Tiergesundheitsprodukte in mehr als 150 Märkten anbietet und über eine globale Präsenz in 99 Ländern verfügt. Dieses Geschäft wird von unserem Stammsitz in Ingelheim am Rhein aus gelenkt.

„Der Zusammenschluss bedeutet auch eine Stärkung des Standorts Deutschland.“

Der Zusammenschluss liegt offiziell nun gut ein dreiviertel Jahr zurück. Das operative Geschäft muss laufen. Wie weit ist die Integration des neuen Geschäftsbereichs abgeschlossen und inwieweit sind die Mitarbeiter in dieser neuen Verbindung bereits zusammengewachsen?

Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das Tiergesundheitsgeschäft von Merial zügig und reibungslos zu integrieren und befinden uns dabei auf einem guten Weg. In vielen Ländern, wie zum Beispiel den USA und Deutschland, werden unsere Kunden bereits von einem Ansprechpartner mit dem kombinierten Produktportfolio bedient. Das ist ein entscheidender Schritt in der Integration, da unsere Kunden uns damit als ein gemeinsames Unternehmen wahrnehmen. Von entscheidender Bedeutung ist natürlich das Zusammenwachsen der Mitarbeiter, welches wir aktiv durch gemeinsame Veranstaltungen und einen regen Austausch zwischen den Standorten fördern. Wir sind uns aber im Klaren darüber, dass das Zusammenwachsen auf der persönlichen Ebene Zeit braucht und nicht über Nacht passiert.

Der Markt für Tiergesundheit wächst seit rund einem Jahrzehnt kontinuierlich. Ein Grund sind Innovationen. Was erwarten Sie mittel- und langfristig durch die Übernahme von Merial in diesem Bereich?

Wir sind jetzt der zweitgrößte Anbieter im weltweiten Tiergesundheitsmarkt und der größte Anbieter bei Antiparasitika und Impfstoffen im Nutztier- und im Kleintierbereich. Unser Ziel ist, dass kein Tier mehr unter einer vermeidbaren Krankheit leiden muss, weil wir sie durch gezielte Präventionsmaßnahmen verhindern können. Dafür ist der Bereich Forschung und Entwicklung von zentraler Bedeutung. Bei uns forschen rund 1.200 Wissenschaftler an mehr als 20 Standorten, um Krankheiten einzudämmen, bevor sie überhaupt entstehen. Um neue und innovative Produkte und Lösungen zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Kunden entsprechen, investieren wir bis zu 10 Prozent unserer Umsätze in die Forschung und Entwicklung.

„Unser Ziel ist, dass kein Tier mehr unter einer vermeidbaren Krankheit leiden muss, weil wir sie durch gezielte Präventionsmaßnahmen verhindern können.“