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Davor haben Handyhersteller und Verbraucher Angst: Mobiltelefone können Feuer fangen – einfach so und ohne Vorankündigung. Doch das Risiko lässt sich minimieren. Flammschutzmittel wie Exolit ersticken einen Brand im Keim.

14.11.2017, Andreas Schulte

Der Start in den Urlaub – für viele Fluggäste begann er in diesem Jahr mit einem Schrecken. Gerade im Flugzeug Platz genommen, verunsicherte diese Durchsage die Reisenden: „Bitte schalten Sie Ihr Smartphone aus, um einen Brand zu vermeiden“. Ganz klar: Die neue Warnung vor dem Smartphone in Flammen sorgt bei Urlaubern auch jetzt noch für ein mulmiges Gefühl. Auch weil inzwischen klar ist: Der Hinweis ist nicht aus der Luft gegriffen. Fluggesellschaften reagieren damit auf Brände von Smartphones, die Hersteller zu umfangreichen Rückrufaktionen gezwungen haben. Einige Airlines haben verschiedene Handymodelle sogar komplett von Bord verbannt.

Meistens ist ein Kurzschluss im Akku der Grund für einen Smartphone-Brand. Fehler bei der Fertigung können ihn hervorrufen oder eine defekte Elektronik, die den Ladevorgang des Akkus bei einer bestimmten Spannung eigentlich ausschalten soll. Doch trotz des Brandrisikos gehen Hersteller dazu über, immer mehr Leistung in immer kleinere Akkus zu packen. So bleibt im Smartphone mehr Platz für zusätzliche Platinen und damit für mehr Speicherplatz. Die Verdichtung der Technik aber dürfte das Problem mit entflammbaren Handys zukünftig noch verschärfen, zumal die Anzahl der weltweit verkauften Handys weiter steigt.

Dabei kann das Brandrisiko eines Elektrogeräts schon bei der Planung und Konstruktion minimiert werden. Flammschutzmittel schützen Elektrogeräte. Sie verhindern Brände oder bremsen deren Ausbreitung. Produkte aus der Reihe Exolit von Clariant etwa kommen nicht nur beim Smartphone, sondern auch in Waschmaschinen oder bei verschiedenen Fahrzeugteilen im Autobau zum Einsatz.

„Meistens ist ein Kurzschluss im Akku der Grund für einen Smartphone-Brand. Fehler bei der Fertigung können ihn hervorrufen oder eine defekte Elektronik.“

Als Granulat wird Exolit mit einem Kunststoffbauteil verschmolzen. So kann es in der Regel an allen leicht entflammbaren Stellen eines Geräts zum Einsatz kommen: etwa im Prozessorgehäuse, an stromführenden Teilen wie Kabeln und Steckern und – besonders wichtig – an Akkuanschlüssen.

Exolit wirkt dort wie ein eingebauter Feuerlöscher, der einen Brand mit Schaum erstickt, denn bei einem Kunststoffbrand zersetzen sich Polymerketten durch Wärme. Sie brennen in der Regel so lange bis der Kunststoff als Brennmaterial zur Neige gegangen oder der Sauerstoff der Umgebung verbraucht ist, der die Verbrennung erst ermöglicht. Ist der Kunststoff aber mit Exolit versetzt, bildet sich bei der Entstehung eines Brandes schnell eine verkohlte, leicht aufgeschäumte Oberfläche. Sie besteht aus Ascheschaum und schützt den brennenden Kunststoff vor weiterer Hitzezufuhr. Außerdem trennt sie ihn vom Sauerstoff der umgebenden Luft. Der Brand findet dadurch keine weitere Nahrung und wird im Keim erstickt. Ein Smartphone beispielsweise erscheint so äußerlich unversehrt.

Trotz der chemischen Reaktion ist Exolit umweltverträglich. Das ist bei einem Flammschutzmittel nicht selbstverständlich. In vielen befinden sich Halogene. Bei einem Brand können sie hochgiftige Gase freisetzen. Das krebserregende Dioxin ist eines davon. Tests mit Exolit indes haben ergeben: Das Flammschutzmittel ist über den gesamten Lebenszyklus toxikologisch unbedenklich.

Der Grund: Es basiert auf halogenfreien organischen Phosphorverbindungen. Ihnen gehört die Zukunft. „Flammschutzmittel auf Organophosphat-Basis werden überdurchschnittlich zulegen“, heißt es in einer Studie des Marktforschungsunternehmen Ceresana. Weltweit werden pro Jahr schon jetzt rund 2,15 Millionen Tonnen Flammschutzmittel eingesetzt. Der Markt wächst. Clariant hat darauf bereits reagiert und die Produktionskapazitäten angepasst.

„Exolit wirkt wie ein eingebauter Feuerlöscher, der einen Brand mit Schaum erstickt, denn bei einem Kunststoffbrand zersetzen sich Polymerketten durch Wärme.“