Bildquelle: DennerleinBrands GmbH

Environmental Due Diligence kann bei M&A-Deals eine wichtige Rolle spielen. Horst Herzog, Diplom-Geologe bei Infraserv Höchst, spricht darüber, welche Art von Umweltrisiken dabei besonders bedacht werden müssen.

01.01.2017, Interview mit Horst Herzog / Infraserv Höchst, geführt von Julia Hoscislawski / Frankfurt Business Media

Herr Herzog, eine Environmental Due Diligence identifiziert und bewertet finanzielle Umweltrisiken. Welche Art von Umweltrisiken müssen Chemieunternehmen heute überhaupt im Blick haben, wenn sie über eine Übernahme nachdenken?

Das Wichtigste bei der Akquisition einer neuen Anlage ist es, zu klären, ob die Anlagen dem Stand der Technik entsprechen. Gibt es dazu entsprechende Genehmigungen, beispielsweise nach Bundesemissionsschutzgesetz? Sind die Anlagen so ausgestattet, dass sie bezogen auf die Emissionspfade Luft und Wasser die genehmigten Grenzwerte einhalten? In Richtung Boden und Grundwasser sollten idealerweise gar keine Emissionen auftreten. Außerdem geht es um Punkte, wie die Abluftreinigung des Betriebes oder VAwS-Flächen. Wenn man den Abwasserstrom von Anlagen betrachtet, ist der Zustand von Abwasserkanälen ein relevanter Aspekt. Gibt es dazu regelmäßige Zustandsbeschreibungen, etwa Druckprüfungen oder Kamerabefahrungen? Ein weiterer Punkt, der bedacht werden muss, ist die Nähe zur und die Auswirkung auf etwaige Wohnbebauung. Außerdem ist zu klären, ob es Hinweise auf historische Boden- oder Grundwasserverunreinigungen gibt. Ich wäre immer beunruhigt, wenn es zu den Flächen überhaupt keine gutachterliche Bewertung gibt.

Horst Herzog

Leiter Vorsorgender Bodenschutz, Abfall- und Altlastenmanagement

Infraserv Höchst

Die Bewertung schließt also Umweltrisiken, denen das Unternehmen selbst ausgesetzt sein kann, und solche, die vom Unternehmen ausgehen, ein. Welche spielen bei der Bewertung eine größere Rolle?

Meines Erachtens sind es die Risiken, die vom Unternehmen ausgehen, da ich als Betreiber deren Verhinderung selbst in der Hand habe. Selbstverständlich müssen beispielsweise bei benachbarten genehmigungsbedürftigen Anlagen Regelungen getroffen werden, die den Modus des Produzierens in enger Nachbarschaft klären.

Wie viel Zeit muss man für eine Untersuchung einplanen?

In der Regel geht es mit einer Vorabstimmung los. Dann folgt die Untersuchung vor Ort. Zumindest in Teilbereichen werden Gutachter hinzugezogen, die aus fachlicher Sicht bestimmte Fragestellungen bewerten. Abschließend werden offene Fragen geklärt. Je nach Größe des Standortes kann eine Untersuchung zwei Monate dauern, teilweise muss man bis zu einem Jahr einplanen.

Auch beim Ausbau eines schon bestehenden Areals und bei der Neubebauung gilt es, den potenziellen neuen Standort unter die Lupe zu nehmen. Welche Faktoren müssen dabei besonders beachtet werden?

Neben den umwelttechnischen Faktoren, die ich eingangs genannt hatte, spielen natürlich generell die wirtschaftlichen Parameter eine wichtige Rolle. Das sind etwa die Verfügbarkeit und die Kosten für die Energie- und Medienversorgung sowie die Ver- und Entsorgungssicherheit. Ein weiterer Aspekt sind die Grenzen und Möglichkeiten der Weiterentwicklung an dem Standort.

Die Erweiterung eines Areals ist immer auch mit hohen Investitionen verbunden. Wann lohnt sich ein solcher Schritt?

Ich würde dann erweitern und eine hohe Investition tätigen, wenn ich an einem Standort alle Rahmenbedingungen für meine Produktion erfüllt sehe: Ver- und Entsorgungssicherheit, die Verfügbarkeit meiner geforderten Wasserqualität, die Art der Entsorgungsanlagen bis hin zu der Verbundfrage: Gibt es beispielsweise Roh- oder Hilfsstoffe oder ein Produkt beziehungsweise Nebenprodukt, welches direkt und ortsnah durch ein oder mehrere Nachbarbetriebe verwendet werden kann? Habe ich hohe Investitionen in Rohrleitungen getätigt? Wenn das gegeben ist, dann spricht sehr viel dafür, dass im Bereich des bestehenden Betriebes eine Erweiterung stattfinden sollte – und eben nicht woanders. Wichtig wäre mir außerdem die Möglichkeit, in der Region qualifiziertes Personal rekrutieren und die Mitarbeiter hochwertig weiterbilden zu können. Im Industriepark haben wir beispielweise mit Provadis ein Profiunternehmen für Aus-, Fort- und Weiterbildung. Das sind Punkte, die neben den knallharten wirtschaftlichen Faktoren für eine solche Entscheidung ausschlaggebend sind.

Welche Herausforderungen gibt es für Sie als Standortbetreiber bei dem Thema Umweltrisiken?

Als Standortbetreiber habe ich die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass jeder Mieter und Pächter am Standort sicher produzieren und sich weiterentwickeln kann. Das heißt, wir müssen technisch in der Lage sein, die Ver- und Entsorgung durchzuführen. Ich muss als Verpächter mein Areal aber auch sehr gut kennen und wissen, wo mit welchen Belastungen im Boden und im Grundwasser zu rechnen ist. Jeder Investor im Industriepark braucht die absolute Sicherheit, sich unabhängig von etwaigen Boden- und Grundwasserbelastungen so entwickeln zu können wie auf der grünen Wiese.

Gibt es zwischen Standortbetreibern und Chemieunternehmen grundlegende Unterschiede bei der Herangehensweise an einen Ausbau?

Im Grunde nicht. Sehen Sie, wenn wir als Standortbetreiber beispielsweise die Vergrößerung einer Entsorgungsanlage planen, dann sind wir rechtlich sowie kommunikationstechnisch genau an dem gleichen Punkt wie ein Standortunternehmen, das die Erweiterung einer Pharmaanlage plant.

Vollständige Ausgabe bestellen

Dieser Beitrag ist im Januar 2017 im Printmagazin perspectives #4 erschienen. Die vollständige Ausgabe erhalten Sie hier.

Leave a Reply